Die Unterlagenlage muss zuerst geklärt werden.
Ordnen Sie Datenraum, Nachweise und offene Fragen. Erst danach sollte der Punkt in Kaufpreis, Garantie oder Vollzugsbedingung übersetzt werden.
Cybersecurity Due Diligence beim Unternehmenskauf: NIS2, Datenpannen, IT-Verträge, Versicherungen und Garantien richtig prüfen.
BRANDAUER Rechtsanwälte
Salzburger Kanzlei für Unternehmens-, Gesellschafts- und Transaktionsrecht
Hinter jeder Transaktion steht ein eingespieltes Team aus Rechtsanwälten, Juristen und Spezialisten. Fragen rund um den Unternehmenskauf prüfen wir mit Blick auf Struktur, Vertrag, Steuern und Haftung.
Cybersecurity Due Diligence ist beim Unternehmenskauf kein rein technisches Thema. Unklare Sicherheitsvorfälle, fehlende Incident-Dokumentation oder eine offene NIS2-Betroffenheit können Kaufpreis, Garantien und Closing-Plan verschieben. Käufer sollten vor Signing verstehen, welche Systeme geschäftskritisch sind und ob Datenpannen nach Art 33 und 34 DSGVO sauber behandelt wurden. Dieser Beitrag ergänzt unsere Beiträge zur Datenschutz-Due-Diligence und zu IP und IT-Verträgen.
Beantworten Sie zwei Fragen zum konkreten Befund.
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Der erste Befund entscheidet, ob Dokumentation genügt oder Vertragsmechanik nötig ist.
Ordnen Sie Datenraum, Nachweise und offene Fragen. Erst danach sollte der Punkt in Kaufpreis, Garantie oder Vollzugsbedingung übersetzt werden.
Wenn Unterlagen und Vertrag zusammenpassen, kann der Befund in Verhandlung, Signing-Liste und Closing-Plan übernommen werden.
Allgemeine Formulierungen reichen nicht aus. Der Vertrag sollte klar sagen, welche Unterlagen gelten, wer haftet und welche Handlung bis Closing erwartet wird.
Der Datenraum sollte eine Systemlandkarte, Dienstleisterübersicht, Zugriffsrollen, Backup-Konzept, Incident-Log, Sicherheitsrichtlinien und wesentliche Cloud-Verträge enthalten. Fehlen diese Unterlagen, kann der Käufer weder Betriebsfortführung noch Haftungsrisiken sicher einschätzen.
Bei Targets mit kritischen oder wichtigen Diensten ist zusätzlich zu prüfen, ob NIS2-Pflichten oder branchenspezifische Sicherheitsanforderungen relevant werden. Die Richtlinie (EU) 2022/2555 ist dabei ein Regulierungsrahmen, kein pauschaler Mangel jedes Unternehmens.
Datenpannen sind nicht nur ein Datenschutzthema. Art 33 und 34 DSGVO betreffen Meldung, Benachrichtigung und Dokumentation. Für den Unternehmenskauf ist wichtig, ob Vorfälle erkannt, bewertet und abgearbeitet wurden.
Offene Schwachstellen, unklare Löschkonzepte oder fehlende Auftragsverarbeiterlisten können sich in Garantien, Freistellungen oder Closing Conditions niederschlagen. Beim Kauf eines digitalen Geschäftsmodells lohnt zusätzlich der Blick auf Software- und SaaS-Unternehmen.
Der SPA sollte nicht nur allgemein sagen, dass IT-Systeme funktionieren. Sinnvoll sind konkrete Garantien zu bekannten Incidents, wesentlichen Verträgen, Rechten an Sicherheitssoftware, Cyberversicherungen und dem Stand technischer Maßnahmen.
Wenn ein Befund vor Closing bereinigt werden kann, eignet sich eine Vollzugsbedingung oder ein Closing Deliverable. Bleibt das Risiko offen, kommen Kaufpreisanpassung, Holdback oder Freistellung in Betracht. Auch bestehende Versicherungen und Haftpflichtpolizzen sollten geprüft werden.
Die Übersicht zeigt typische Prüfpunkte und Vertragsfolgen.
| Punkt | Warum wichtig | Vertragsfolge |
|---|---|---|
| Systeme Systeme | Geschäftskritische Anwendungen und Abhängigkeiten erkennen | Datenraum-Anlage oder Closing Deliverable |
| Incidents Incidents | Datenpannen und Ausfälle zeigen Haftungsrisiken | Garantie, Disclosure oder Freistellung |
| Regulierung Regulierung | NIS2 und CRA können Aufwand nach Closing auslösen | Kostenregel oder Vollzugsbedingung |
| Versicherung Versicherung | Deckungslücken beeinflussen Risikotragung | Police prüfen und Fortführung regeln |
Maßgeblich sind Vertrag, Datenraum und wirtschaftliche Bedeutung im Einzelfall.
Praxishinweis: Cybersecurity sollte nicht erst am Ende der Due Diligence abgefragt werden. Wer die IT-Unterlagen früh strukturiert, kann technische Befunde rechtzeitig in Garantien und Closing-Liste übersetzen.
Nein. Entscheidend sind Branche, Größe und Tätigkeit. Trotzdem kann NIS2 als Prüfrahmen helfen, weil Käufer Sicherheitsorganisation und Incident-Prozesse verstehen müssen.
Frühere Datenpannen können Meldepflichten, Behördenkommunikation, Kundenthemen und Reputationsrisiken auslösen. Sie gehören in Datenraum, Disclosure und Vertragsverhandlung.
Nein. Technische Ergebnisse müssen rechtlich übersetzt werden, etwa in Garantien, Freistellungen, Closing Deliverables oder Kaufpreislogik.
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