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Kaufpreis & Earn-out

Kaufpreisanpassung beim Unternehmenskauf: Net Debt, Working Capital und die Brücke zum Equity Value

Wie der Kaufpreis beim Unternehmenskauf bestimmt wird: die Brücke vom Enterprise Value zum Equity Value, Net Debt und Working Capital sowie Completion Accounts gegen Locked Box.

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Hinter jeder Transaktion steht ein eingespieltes Team aus Rechtsanwälten, Juristen und Spezialisten. Fragen rund um den Unternehmenskauf prüfen wir mit Blick auf Struktur, Vertrag, Steuern und Haftung.

21. Juni 2026 · Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt

Der vereinbarte Kaufpreis für ein Unternehmen ist selten der Betrag, der am Ende fließt. Zwischen der ersten Preisidee und der tatsächlichen Zahlung steht eine Mechanik, die den Wert des Unternehmens zum maßgeblichen Stichtag abbildet. Wer diese Mechanik nicht versteht, unterschreibt einen Preis, dessen endgültige Höhe er nicht kennt.

Dieser Beitrag erklärt die beiden gebräuchlichen Wege zur Bestimmung des Kaufpreises: die Completion Accounts mit einem Abschluss zum Vollzug und die Locked Box mit einem festen Stichtag in der Vergangenheit. Im Mittelpunkt stehen die Brücke vom Unternehmenswert zum Eigenkapitalwert, die Rolle von Net Debt und Working Capital sowie der häufige Streit über deren Einordnung.

Aus anwaltlicher Sicht entscheidet die Anpassungsklausel darüber, wer das wirtschaftliche Risiko zwischen Signing und Vollzug trägt. Sie gehört deshalb genauso sorgfältig verhandelt wie der Garantiekatalog oder die Vollzugsbedingungen.

Ihre Preismechanik einordnen

Ist Ihr Kaufpreis belastbar bestimmt?

Beantworten Sie ein bis zwei Fragen zur Preismechanik und zu den Definitionen. Sie erhalten eine erste Einordnung der wichtigsten Prüfpunkte vor dem Signing.

Sie wissen schon, dass Sie eine Anfrage stellen wollen? Direkt zum Anfrageformular.

01 Frage 1

Steht schon fest, ob der Kaufpreis über Completion Accounts oder über eine Locked Box abgewickelt werden soll?

Completion Accounts ermitteln den Preis nach einem Stichtagsabschluss zum Vollzug. Die Locked Box fixiert den Preis auf Basis einer Bilanz in der Vergangenheit und schützt nur noch vor Mittelabflüssen.

Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

01

Ohne gewählte Mechanik bleibt offen, wer das Risiko bis zum Vollzug trägt.

Completion Accounts und Locked Box verteilen das wirtschaftliche Risiko zwischen Signing und Vollzug unterschiedlich. Bei der Locked Box trägt der Käufer die Entwicklung ab dem Stichtag, dafür kennt er den Preis früh. Bei Completion Accounts wird der Preis erst nach dem Vollzug endgültig, dafür zahlt der Käufer den tatsächlichen Stand. Klären Sie diese Grundsatzfrage, bevor Sie über Zahlen verhandeln.

Eine erste Orientierung zur Preisstruktur bietet unser Beitrag zur Earn-Out-Klausel.

02

Mechanik und Definitionen stehen, jetzt zählt die saubere Durchführung.

Sind Mechanik, Net-Debt-Definition, Zielwert für das Working Capital und eine Beispielrechnung vereinbart, ist der Kaufpreis belastbar bestimmt. Prüfen Sie zusätzlich die Frist für die Vorlage der Abschlusszahlen, das Verfahren für Einwendungen und die Bestellung eines Schiedsgutachters für den Streitfall.

Eine kurze anwaltliche Durchsicht stellt sicher, dass die Anpassungsklausel im Ernstfall auch durchsetzbar ist.

03

Offene Definitionen sind die häufigste Quelle für Preisstreit.

Bleiben einzelne Positionen von Net Debt oder Working Capital offen, verlagert sich der Konflikt in die Zeit nach dem Vollzug. Schärfen Sie vor der Unterschrift nach: eine abschließende Liste der Posten von Net Debt, eine genaue Definition des Working Capital samt Zielwert und eine Beispielrechnung, an der sich beide Seiten orientieren.

Lassen Sie die Anpassungsklausel vor dem Signing prüfen. Eine unklare Formel kostet später Zeit und Geld.

Von Enterprise Value zu Equity Value

Im Markt wird ein Unternehmen meist über seinen Unternehmenswert bewertet, den Enterprise Value. Dieser Wert beschreibt das operative Geschäft unabhängig von der Finanzierung. Gezahlt wird aber der Wert des Eigenkapitals, der Equity Value. Die Überleitung vom einen zum anderen nennt man die Brücke. Sie ist der Kern jeder Kaufpreisbestimmung.

Die Brücke folgt einem einfachen Grundsatz: Vom Enterprise Value werden die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen und das Working Capital wird gegen einen vereinbarten Zielwert verrechnet. Zugrunde liegt die Annahme cash-free und debt-free. Der Verkäufer übergibt das Unternehmen also ohne überschüssige Barmittel und ohne Finanzschulden, beides wird im Preis ausgeglichen.

Net Debt umfasst die zinstragenden Verbindlichkeiten abzüglich der frei verfügbaren Barmittel. Working Capital ist das für den laufenden Betrieb gebundene Umlaufvermögen, vereinfacht die Forderungen und Vorräte abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Wie diese Größen im Vertrag absichern, zeigt unser Beitrag zum Garantiekatalog im Kaufvertrag.

Completion Accounts: Abrechnung zum Vollzug

Bei der Methode der Completion Accounts wird der Kaufpreis zunächst auf Basis von Schätzwerten gezahlt und nach dem Vollzug genau abgerechnet. Dafür erstellt eine Seite, meist der Käufer, zum Stichtag des Vollzugs einen Abschluss. Aus diesem Abschluss ergeben sich die tatsächlichen Werte für Net Debt und Working Capital, die dann gegen die Schätzung und den Zielwert verrechnet werden.

Die andere Seite prüft den vorgelegten Abschluss und kann innerhalb einer Frist Einwendungen erheben. Bleiben Differenzen offen, entscheidet ein unabhängiger Schiedsgutachter, in der Regel eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Dieses Verfahren sollte im Vertrag genau geregelt sein: Fristen, Form der Einwendungen, Auswahl des Gutachters und Tragung seiner Kosten.

Der Vorteil liegt in der Genauigkeit. Der Käufer zahlt den Preis, der dem tatsächlichen Zustand zum Vollzug entspricht. Der Nachteil ist die spätere Gewissheit über die endgültige Höhe und der Aufwand des Abschlussverfahrens. Wie der Vollzug selbst abläuft, behandelt der Beitrag zu den Vollzugsbedingungen.

Locked Box: fester Stichtag in der Vergangenheit

Die Locked Box dreht die Logik um. Der Kaufpreis wird endgültig auf Basis einer geprüften Bilanz zu einem Stichtag in der Vergangenheit bestimmt, dem sogenannten Locked-Box-Datum. Ab diesem Datum gilt das wirtschaftliche Geschehen des Unternehmens als für Rechnung des Käufers, obwohl der Vollzug erst später erfolgt.

Weil der Preis schon feststeht, braucht es keinen Abschluss zum Vollzug. Stattdessen schützt eine Leakage-Klausel den Käufer davor, dass nach dem Stichtag Werte unzulässig an den Verkäufer abfließen, etwa durch Dividenden, Beraterhonorare oder konzerninterne Zahlungen. Zulässige Abflüsse, die Permitted Leakage, werden ausdrücklich benannt.

Für die Zeit zwischen Stichtag und Vollzug wird häufig eine Verzinsung vereinbart, der sogenannte Equity Ticker. Er gleicht aus, dass der Verkäufer das Unternehmen schon für Rechnung des Käufers führt, das Geld aber noch nicht erhalten hat. Der Vorteil der Locked Box ist die frühe Preissicherheit und der geringere Aufwand, der Nachteil liegt im Vertrauen auf die Bilanz zum Stichtag.

Die beiden Preismechaniken

Completion Accounts und Locked Box im Vergleich

Beide Wege führen zu einem fairen Preis, verteilen aber Risiko und Aufwand unterschiedlich. Prüfen Sie, welcher zu Ihrer Transaktion passt.

Gegenüberstellung der Preismechaniken nach Stichtag, Risiko, Aufwand, Schutzmechanismus und Streitbeilegung
Kriterium Completion Accounts Locked Box
Stichtag Tag des Vollzugs Abschluss wird nach dem Vollzug erstellt Festes Datum in der Vergangenheit vor dem Signing
Preissicherheit Erst nach Abrechnung Endgültige Höhe steht später fest Preis ist schon beim Signing fix
Risikoübergang Mit dem Vollzug Käufer zahlt den tatsächlichen Stand Schon ab dem Locked-Box-Datum auf den Käufer
Schutzmechanismus Prüfung des Abschlusses Einwendung gegen die vorgelegten Zahlen Leakage-Schutz und Equity Ticker
Streitbeilegung Schiedsgutachter Unabhängige Prüfung offener Differenzen Streit meist nur über unzulässige Abflüsse

Welche Mechanik passt, hängt von der Qualität der Zahlen, dem Zeitplan und der Verhandlungsmacht ab. In der Praxis setzt sich die Locked Box bei sauberer Datenlage zunehmend durch.

Achtung bei unklaren Definitionen: Der teuerste Streit nach dem Vollzug entsteht selten über die Methode, sondern über die Einordnung einzelner Posten von Net Debt und Working Capital. Eine ungenaue Formel ohne Zielwert und Beispielrechnung kann die gesamte Ersparnis aus der Verhandlung wieder aufzehren. Lassen Sie die Anpassungsklausel vor dem Signing prüfen. Ein Erstgespräch vereinbaren (72 Euro) kann hier rasch Klarheit schaffen.

Der Streit um die Einordnung als Hauptrisiko

Ob ein bestimmter Posten zu Net Debt oder zum Working Capital zählt oder als gewöhnliche operative Position gilt, entscheidet unmittelbar über die Höhe des Kaufpreises. Genau hier liegt das größte Risiko. Ist eine kurzfristige Verbindlichkeit Teil des Working Capital oder eine Finanzschuld? Zählen Rückstellungen, latente Steuern oder offene Leasingverbindlichkeiten zum Net Debt? Solche Fragen lassen sich nach dem Vollzug nur noch streiten.

Vorbeugen lässt sich durch eine genaue Definition. Der Vertrag sollte abschließend aufzählen, welche Posten zu Net Debt gehören, das Working Capital eindeutig bestimmen und einen Zielwert festlegen, gegen den verrechnet wird. Eine Beispielrechnung auf Basis der letzten verfügbaren Zahlen zeigt beiden Seiten, wie die Formel gemeint ist und dient später als Auslegungshilfe.

Auch die Bilanzierungsgrundsätze gehören geregelt. Wird der Abschluss nach denselben Methoden erstellt wie in der Vergangenheit, oder gelten besondere Bewertungsregeln? Eine erste Einschätzung der Risiken Ihrer Transaktion liefert unser M&A-Transaktions-Risikoprofil.

FAQ

Kaufpreisanpassung, Net Debt und Working Capital.

Was bedeutet cash-free und debt-free? +

Die Annahme cash-free und debt-free besagt, dass der Unternehmenswert das operative Geschäft ohne überschüssige Barmittel und ohne Finanzschulden abbildet. Beim Übergang zum Eigenkapitalwert werden die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen und das Working Capital gegen einen Zielwert verrechnet. So zahlt der Käufer für das Geschäft, nicht für die zufällige Finanzlage zum Stichtag.

Wann ist die Locked Box sinnvoller als Completion Accounts? +

Die Locked Box passt, wenn belastbare und geprüfte Zahlen zu einem nahen Stichtag vorliegen und beide Seiten früh Preissicherheit wollen. Sie spart den Aufwand eines Abschlusses zum Vollzug. Completion Accounts sind sinnvoll, wenn die Zahlen unsicher sind oder der Käufer das tatsächliche Net Debt und Working Capital zum Vollzug abrechnen möchte.

Wer entscheidet bei Streit über die Abschlusszahlen? +

Bei Completion Accounts sieht der Vertrag in der Regel einen unabhängigen Schiedsgutachter vor, meist eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Er entscheidet über die offenen Differenzen verbindlich, ohne dass ein Gericht angerufen werden muss. Der Vertrag sollte Auswahl, Verfahren und Kostentragung des Gutachters genau regeln, damit der Streit zügig beigelegt werden kann.

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KaufpreisNet DebtWorking CapitalLocked BoxCompletion Accounts

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