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W&I-Versicherung beim Unternehmenskauf: Garantien absichern und einen clean exit ermöglichen

Warranty-and-Indemnity-Versicherung beim Unternehmenskauf: Buy-side und Sell-side, Deckung, Ausschlüsse und Verhältnis zum Garantiekatalog.

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Hinter jeder Transaktion steht ein eingespieltes Team aus Rechtsanwälten, Juristen und Spezialisten. Fragen rund um den Unternehmenskauf prüfen wir mit Blick auf Struktur, Vertrag, Steuern und Haftung.

16. Juni 2026 · Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt

Die Warranty-and-Indemnity-Versicherung, kurz W&I-Versicherung, hat sich bei Unternehmenstransaktionen fest etabliert. Sie sichert die Garantien ab, die der Verkäufer im Kaufvertrag abgibt. Tritt eine dieser Zusagen nicht ein, springt nicht der Verkäufer, sondern der Versicherer ein. Das verändert die Haftungsarchitektur einer Transaktion grundlegend.

Dieser Beitrag erklärt, wie eine W&I-Versicherung funktioniert, worin sich Buy-side- und Sell-side-Policen unterscheiden und welche Risiken typischerweise gedeckt oder ausgeschlossen sind. Im Mittelpunkt stehen der Selbstbehalt, die De-minimis-Grenze, das Underwriting und das Zusammenspiel mit dem Garantiekatalog des Kaufvertrags.

Aus anwaltlicher Sicht ist die W&I-Versicherung ein Werkzeug, kein Ersatz für sorgfältige Arbeit. Sie funktioniert nur auf der Grundlage einer belastbaren Due Diligence und eines klar formulierten Garantiekatalogs. Wie dieser aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zur Due-Diligence-Checkliste.

Ihren Versicherungsbedarf einordnen

Ist eine Garantieversicherung für Ihre Transaktion sinnvoll?

Beantworten Sie ein bis zwei Fragen zu Anlass und Deckung. Sie erhalten eine erste Einordnung, ob eine W&I-Police trägt oder ob Deckungslücken drohen.

Sie wissen schon, dass Sie eine Anfrage stellen wollen? Direkt zum Anfrageformular.

01 Frage 1

Gibt es einen klaren Anlass für eine Garantieversicherung, etwa einen Exit ohne fortdauernde Haftung?

Eine W&I-Versicherung lohnt vor allem, wenn der Verkäufer nach dem Vollzug nicht mehr haften will oder der Käufer einen werthaltigen Anspruchsgegner sucht.

Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

01

Ohne klaren Anlass sollte zuerst der tatsächliche Absicherungsbedarf geklärt werden.

Eine Garantieversicherung ist kein Selbstzweck. Haftet der Verkäufer verlässlich weiter und reicht eine Haftungskappung mit Einbehalt, kann eine Police entbehrlich sein. Prüfen Sie zunächst, ob ein clean exit angestrebt wird oder ob die Bonität des Verkäufers den Käufer beunruhigt. Eine Vertiefung bietet unsere Schwerpunktseite zum Kaufpreis.

Erst wenn ein echter Absicherungsbedarf besteht, lohnt sich der Aufwand des Underwritings. Andernfalls genügen oft die Mittel des Kaufvertrags selbst.

02

Die Police ist klar abgegrenzt, jetzt zählt das saubere Zusammenspiel mit dem Vertrag.

Sind Deckung und Ausschlüsse klar, ist die Absicherung gut aufgesetzt. Achten Sie darauf, dass die Police und der Garantiekatalog des Kaufvertrags aufeinander abgestimmt sind. Eine Garantie, die nicht versichert ist, sollte über Haftungskappung, Einbehalt oder eine gesonderte Freistellung aufgefangen werden.

Stimmen Sie Police und Vertrag in einem Zug ab. Wie der Garantiekatalog aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zum Garantiekatalog.

03

Ungeklärte Deckungslücken oder eine schwache Due Diligence gefährden den Schutz.

Eine Police schützt nur, soweit ihre Deckung reicht. Bekannte Risiken aus der Due Diligence, vorausschauende Aussagen und oft Steuern oder Umwelt bleiben ausgeschlossen. War die Prüfung oberflächlich, wird der Versicherer Deckung verweigern oder einschränken. Schließen Sie die Lücken, bevor Sie sich auf die Police verlassen.

Eine saubere Due Diligence ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Underwriting. Lassen Sie Prüfung und Police gemeinsam betrachten, damit keine Risiken unversichert bleiben.

Funktion und Nutzen der W&I-Versicherung

Die W&I-Versicherung deckt Schäden, die dem Käufer aus der Verletzung von Garantien des Verkäufers entstehen. Statt sich an den Verkäufer zu halten, wendet sich der Käufer an den Versicherer. Das bringt beiden Seiten Vorteile. Der Verkäufer kann das Unternehmen verkaufen und sich aus der Haftung lösen, der Käufer behält einen solventen Anspruchsgegner.

Für Verkäufer ist der sogenannte clean exit der größte Nutzen. Gerade Finanzinvestoren und Nachfolgeverkäufer wollen den Erlös frei verwenden, ohne über Jahre Rückstellungen für mögliche Garantieansprüche bilden zu müssen. Die Police übernimmt die Haftung und ermöglicht einen sauberen Ausstieg.

Für Käufer zählt vor allem die Bonität. Eine Garantie ist nur so viel wert wie die Zahlungsfähigkeit dessen, der sie abgegeben hat. Ist der Verkäufer eine Holding ohne Substanz oder eine Privatperson, gibt die Police dem Käufer einen werthaltigen Anspruchsgegner. Den Begriff erläutern wir im Fachlexikon.

Buy-side und Sell-side im Vergleich

Eine W&I-Versicherung kann von beiden Seiten genommen werden. Bei der Buy-side-Police ist der Käufer der Versicherungsnehmer. Tritt ein Garantiefall ein, macht er den Anspruch direkt gegen den Versicherer geltend. Diese Variante ist die häufigste, weil sie den Käufer unmittelbar schützt und dem Verkäufer den clean exit ermöglicht.

Bei der Sell-side-Police ist der Verkäufer Versicherungsnehmer. Der Käufer hält sich im Garantiefall zunächst an den Verkäufer, der wiederum den Versicherer in Anspruch nimmt. In der Praxis wird häufig zu Beginn eine Sell-side-Struktur aufgesetzt und im Lauf der Verhandlung auf eine Buy-side-Police umgestellt.

Welche Struktur passt, hängt von der Verhandlungslage und vom Ziel der Parteien ab. Wer auf der Verkäuferseite steht, findet weitere Hinweise im Beitrag zum Earn-out als variablem Kaufpreisteil.

Deckung, Selbstbehalt und Ausschlüsse

Eine Police deckt nie alles. Sie greift bei einer Verletzung der versicherten Garantien, bleibt aber durch Selbstbehalt und De-minimis-Grenze begrenzt. Der Selbstbehalt, oft Retention genannt, ist der Betrag, den der Versicherungsnehmer selbst trägt, bevor die Police einspringt. Die De-minimis-Grenze schließt Bagatellschäden aus.

Typisch ausgeschlossen sind Risiken, die in der Due Diligence bekannt wurden. Wer ein Risiko kannte, kann es nicht versichern. Ebenso ausgeschlossen sind meist vorausschauende Aussagen über die künftige Entwicklung. Häufig werden Steuern oder Umweltrisiken gesondert behandelt oder ganz ausgenommen. Diese Lücken müssen über den Kaufvertrag aufgefangen werden.

Gerade die Behandlung der Ausschlüsse entscheidet über den Wert der Police. Eine erste Einschätzung der Risiken liefert unser M&A-Transaktions-Risikoprofil, das die zentralen Risikofelder einer Transaktion sichtbar macht.

Deckung und Grenzen

Was die W&I-Versicherung leistet und wo ihre Grenzen liegen

Diese Punkte entscheiden über den tatsächlichen Schutz der Police. Prüfen Sie jeden einzeln, bevor Sie sich auf die Versicherung verlassen.

Bestandteile der W&I-Versicherung mit empfehlenswerter Gestaltung und möglichem Risiko
Bestandteil Empfehlenswert Mögliches Risiko
Gedeckte Garantien Klar definierter Katalog Versicherte Garantien decken sich mit dem Vertrag Garantie im Vertrag, aber nicht in der Police
Selbstbehalt Angemessen und kalkuliert Retention, die zum Volumen der Transaktion passt Zu hoher Selbstbehalt entwertet den Schutz
Ausschlüsse Transparent benannt Bekannte Risiken anderweitig aufgefangen Unbemerkte Deckungslücke bei Steuern oder Umwelt
Underwriting Auf belastbarer Due Diligence Saubere Prüfung als Grundlage der Police Oberflächliche Prüfung führt zur Deckungsverweigerung
Zusammenspiel mit Vertrag Police und Katalog abgestimmt Haftungskappung und Police greifen ineinander Widerspruch zwischen Vertrag und Police

Die Deckungssumme und die Prämie richten sich nach Volumen und Risikoprofil der Transaktion. Eine pauschale Aussage über die Kosten ist nicht möglich.

Achtung bei Deckungslücken: Wer sich auf eine W&I-Versicherung verlässt, ohne die Ausschlüsse zu prüfen, trägt bekannte Risiken und ausgenommene Steuer- oder Umweltfragen am Ende selbst. Eine oberflächliche Due Diligence kann sogar zur Deckungsverweigerung führen. Lassen Sie Police und Garantiekatalog gemeinsam prüfen. Ein Erstgespräch vereinbaren (72 Euro) kann hier rasch Klarheit schaffen.

Zusammenspiel mit Haftungskappung und Garantiekatalog

Die W&I-Versicherung steht nicht für sich allein. Sie greift in die Haftungsarchitektur des Kaufvertrags ein und muss mit dem Garantiekatalog, der Haftungskappung und den Freistellungen abgestimmt werden. Eine Garantie, die im Vertrag steht, aber nicht versichert ist, läuft sonst ins Leere oder belastet den Verkäufer trotz gewünschtem clean exit.

In der Praxis wird die Verkäuferhaftung oft auf einen symbolischen Betrag begrenzt, während die eigentliche Absicherung über die Police läuft. Für die nicht versicherten Risiken, etwa bekannte Steuerfragen, werden gesonderte Freistellungen vereinbart. So entsteht ein abgestimmtes System aus Vertrag und Versicherung.

Damit dieses System trägt, müssen Vertrag und Police in einem Zug verhandelt werden. Wie der Garantiekatalog dabei aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zum Garantiekatalog im Kaufvertrag.

FAQ

W&I-Versicherung beim Unternehmenskauf.

Wer schließt die W&I-Versicherung ab? +

Beide Seiten können die Police nehmen. Bei der Buy-side-Police ist der Käufer Versicherungsnehmer und macht den Anspruch direkt gegen den Versicherer geltend. Bei der Sell-side-Police ist der Verkäufer Versicherungsnehmer. In der Praxis ist die Buy-side-Police am häufigsten, weil sie den clean exit des Verkäufers und einen solventen Anspruchsgegner für den Käufer verbindet.

Welche Risiken sind typischerweise ausgeschlossen? +

Ausgeschlossen sind in der Regel Risiken, die in der Due Diligence bekannt wurden, vorausschauende Aussagen über die künftige Entwicklung und häufig Steuern oder Umweltrisiken, die gesondert behandelt werden. Diese Lücken müssen über Haftungskappung, Einbehalt oder eine gesonderte Freistellung im Kaufvertrag aufgefangen werden.

Warum ist eine saubere Due Diligence für die Police wichtig? +

Der Versicherer stützt sein Underwriting auf die Due Diligence. War die Prüfung oberflächlich, kann der Versicherer die Deckung verweigern oder einschränken. Eine belastbare und gut dokumentierte Prüfung ist damit die Voraussetzung für einen wirksamen Schutz durch die Police.

Themen
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